Umfrage zum Amateurfußball am Niederrhein ausgewertet: Große Treue, große Lust, große Herausforderungen
Verfasst von Heiko Van Der Velden
  Fußballverband Niederrhein
09.03.2021 13:17 Uhr

Die Sehnsucht nach der Rückkehr auf den Platz ist groß im Amateurfußball am Niederrhein und in ganz Deutschland, die Herausforderungen für die Vereine sind es ebenfalls. Das zeigen die Ergebnisse der Online-Umfrage, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Ende Februar durchgeführt hat.

Deutlich wird auch, dass die Lust auf Fußball im Amateurbereich ungebrochen ist. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Die 24.500 Vereine mit Fußballangebot in Deutschland haben sich in der Corona-Krise als robust und widerstandsfähig erwiesen. Die Problemstellungen verschärfen sich jedoch mit jedem Tag, an dem der Ball auf den Sportplätzen nicht rollen kann.

Mehr als 100.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet haben über den Zeitraum von einer Woche an der DFB-Umfrage teilgenommen, aus dem Gebiet des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) waren es exakt 4.771 Personen – und dies verteilt über nahezu alle Altersgruppen (14 Jahre bis 75 Jahre und älter), rund 83 Prozent von ihnen männlich. Am stärksten vertreten waren aktive Spieler*innen (35 Prozent) vor Trainer*innen (22 Prozent) sowie Vereinsmitarbeiter*innen und Eltern von fußballspielenden Kindern und Jugendlichen (jeweils rund 16 Prozent). Die übergeordnete Fragestellung lautete: Wie geht es dem Amateurfußball tatsächlich?

Zum Download:
Hier die gesamte Auswertung der Umfrage für den FV Niederrhein

Peter Frymuth, Präsident des Fußballverbandes Niederrhein, sagt: „Für unsere Vereine bedeutet die Pandemie eine neue Dimension an Belastung und Herausforderung, dies macht die Umfrage noch einmal sehr deutlich. Sie gibt in beeindruckender, aber auch erfreulicher Weise wieder, dass bei den im Amateurfußball tätigen Menschen die Liebe zum Fußball selbst und zu ihrem Verein weiter besteht – und dies trotz der langen Pause. Sie bestätigt, dass gerade in der aktuellen Phase der Pandemie stark zu spüren ist, wie tief die Basis des Fußballs in der Gesellschaft verankert ist. Und sie gibt mir Hoffnung, dass das so wichtige Vereinsleben wieder in Schwung kommen kann. Wichtig dabei ist, dass viele Kinder und Jugendliche bereits jetzt wieder trainieren können und in ihre sportliche Heimat bei den Vereinen zurückkehren. Es bleibt zu hoffen, dass es bald auch wieder einen Trainingsbetrieb für alle geben wird.“

Der Wunsch und das Bedürfnis der Umfrageteilnehmer*innen vom Niederrhein, wieder aufs Spielfeld zurückzukehren, drückt sich deutlich in den Zahlen der Umfrage aus: 98 Prozent der Befragten vermissen den Amateurfußball, 96 Prozent die Aktivitäten in ihrem Verein. Besonders fehlen den Befragten die Gemeinschaft und das Gemeinschaftsgefühl (69 Prozent), danach wird das aktive Fußballspielen selbst (65 Prozent) genannt.

Die Befürchtung, dass viele Menschen dem Amateurfußball am Niederrhein während des zweiten Lockdowns seit November komplett verloren gegangen sind, wird von der Umfrage widerlegt. 94 Prozent der Teilnehmer*innen geben an, dass sie auf jeden Fall oder wahrscheinlich in ihre Vereine zurückkehren werden, 4 Prozent wissen es noch nicht. Am höchsten priorisiert wird im Falle möglicher Lockerungen die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings (81 Prozent). Große Einigkeit besteht darin, speziell den Nachwuchs im Blick zu haben. 96 Prozent sagen, dass der Kinder- und Jugendfußball vor oder mindestens parallel mit dem Sportbetrieb der Erwachsenen geöffnet werden soll.

Beim Einstieg ins Training räumen 69 Prozent der Umsetzung eines Hygienekonzepts durch den Verein die höchste Priorität ein. Als ähnlich wichtig wird ein fester und nachvollziehbarer Stufenplan für den Amateurfußball eingeschätzt (61 Prozent). 94 Prozent antworteten, dass Hygienekonzepte im vergangenen Sommer von ihrem Klub umgesetzt wurden, 4 Prozent wussten es nicht. 88 Prozent empfanden die Anwendung der Hygienekonzepte als nicht oder wenig belastend.

Die Verbundenheit zum eigenen Verein hat durch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen gleichwohl gelitten. Fühlten sich vor Corona noch 88 Prozent der Umfrage-Teilnehmer*innen aus dem FVN eng oder sehr eng mit ihrem Verein verbunden, sind es nun nur noch 54 Prozent. 37 Prozent erklärten, dass sie seit Beginn des zweiten Lockdowns keinen Kontakt zu Verein oder Mannschaft hatten. 38 Prozent gaben an, in den vergangenen Monaten keine Angebote ihres Vereins wie beispielsweise digitale Trainingseinheiten oder Informationsveranstaltungen per Videokonferenz erhalten zu haben.

Die Treue zum Verein aber ist im Gebiet des Fußballverbandes Niederrhein insgesamt weiterhin vorhanden. 77 Prozent der befragten Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen stellen keine erhöhte Zahl an Mitgliedsaustritten fest oder haben keine Kenntnis davon. Lediglich 23 Prozent bejahten die Frage nach einer spürbaren Erhöhung der Vereinsaustritte.

Die wichtigsten Aufgabenstellungen für die Amateurklubs haben sich etwas verschoben, wie die Umfrage verdeutlicht. Die größten Herausforderungen vor Ausbruch der Pandemie waren, als Verein eine ausreichende Zahl von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen (50 Prozent) und qualifizierten Trainer*innen (43 Prozent) zu haben. Die finanzielle Situation wurde von 26 Prozent genannt, die Gewinnung und Bindung von Kindern und Jugendlichen von 25 Prozent. Für die Zeit nach der Corona-Krise gestaltet sich das Meinungsbild am Niederrhein wie folgt: 41 Prozent sehen weiterhin die ausreichende Zahl von Ehrenamtlichen als eine der größten Herausforderungen, knapp dahinter folgen nun die Gewinnung und Bindung von Kindern und Jugendlichen (38 Prozent) sowie die finanzielle Situation (37 Prozent), danach die ausreichende Zahl an qualifizierten Trainer*innen (32 Prozent).

56 Prozent der Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen aus dem FVN, die an der Umfrage teilnahmen, sehen negative finanzielle Auswirkungen auf ihren Verein. 56 Prozent der Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen aus dem FVN, die an der Umfrage teilnahmen, sehen negative finanzielle Auswirkungen auf ihren Verein. Davon erkennen 79 Prozent eine spürbare Belastung, 17 Prozent bezeichnen die Situation als existenzbedrohend.

Das Ergebnis der bundesweiten DFB-Umfrage mit mehr als 100.000 Teilnehmer*innen ähnelt in seiner Tendenz sehr stark dem Ergebnis der Umfrage für den Fußballverband Niederrhein. Zur Auswertung der bundesweiten DFB-Umfrage geht es hier.

Quelle: FVN

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